Welche Reifenprofiltiefe ist wichtig für ein sicheres Fahren?

Die minimale Reifenprofiltiefe bei Kraftfahrzeugen ist in Deutschland gesetzlich geregelt

Die Reifen von Pkws und Lkws unterliegen einem starken Verschleiß und benötigen deshalb ein hohes Durchhaltevermögen. Deshalb sollten Autofahrer ihre Reifen in regelmäßigen Abständen überprüfen und bei Bedarf austauschen. Die wichtigsten Faktoren sind das Alter, der Reifendruck und die Reifenprofiltiefe. Sommer-, Winter- und Ganzjahresreifen müssen eine bestimmte Mindestprofiltiefe besitzen und diese wird vom deutschen Gesetzgeber genau festgelegt.

Die gesetzlich empfohlene Profiltiefe bei Kraftfahrzeugen

Die richtige Reifenprofiltiefe
Die richtige Reifenprofiltiefe – Bild: © Depositphotos.com/ginasanders (Erwin Wodicka)
Neue Autoreifen haben eine Profiltiefe von 8 mm. Dieser Wert nimmt durch regelmäßiges Fahren nach und nach ab. Je geringer die Profiltiefe von einem Reifen, desto niedriger die Haftung. Mit der Zeit verschwinden die einzelnen Lamellen und Rillen der Reifen immer weiter. Die deutlich schlechtere Haftung der Reifen kann vor allem auf einer nassen oder verschneiten Straße lebensgefährlich sein. Abgenutzte Reifen haben einen deutlich längeren Bremsweg und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Sie als Fahrer die Kontrolle über Ihr Fahrzeug verlieren.

Laut dem deutschen Gesetzgeber liegt die absolute Grenze bei der Profiltiefe bei 1,6 mm. Diese gesetzliche Regelung können Sie in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) in Paragraf 36 Absatz 2 nachlesen. Das Hauptprofil von Ihren Autoreifen muss am ganzen Umfang mindestens eine Profiltiefe von 1,6 mm aufweisen. Als Hauptprofil zählen die breiten Profilrillen, die sich im mittleren Bereich von der Lauffläche befinden. Das Hauptprofil nimmt rund dreiviertel der gesamten Breite ein.

Welche Konsequenzen gibt es bei Missachtung der gesetzlichen Regelung?

Für den deutschen Gesetzgeber spielt es überhaupt keine Rolle, an welchen Stellen Ihre Autoreifen verschleißen. Als Fahrzeughalter sind Sie dazu verpflichtet, dass Ihre Bereifung über die gesamte Fläche mindestens eine Profiltiefe von 1,6 mm besitzt. Damit die Reifen diese Grenze auf keinen Fall unterschreiten, sollten Sie die Tiefe in regelmäßigen Abständen messen. Messen können Sie die Profiltiefe auf unterschiedliche Art und Weise. Entweder Sie verwenden eine normale 1 Euro Münze als Tiefenmesser oder Sie kaufen einen handelsüblichen Tiefenmesser. Verwenden Sie die Münze, wird der goldene Rand bei einem Restprofil von rund 4 mm sichtbar.

Unterschreitet zumindest einer Ihrer Reifen die gesetzlich geregelte Mindestprofiltiefe, müssen Sie mit unterschiedlichen Konsequenzen rechnen. Werden Sie im Rahmen einer Kontrolle erwischt, kann ein Bußgeld erhoben werden. In der Regel beträgt dieses zwischen 50 und 75 Euro und Sie erhalten zusätzlich 1 Punkt in Flensburg. Besitzen Sie stattdessen ein Mofa, ist die Strafe etwas geringer. In den meisten Fällen bekommen Sie ein Bußgeld in Höhe von 35 Euro ohne Punkte. Selbstverständlich müssen Sie mit weiteren und schlimmeren Konsequenzen rechnen, falls Sie ein weiteres Mal mit abgefahrenen Reifen erwischt werden.

Für Ihre Kfz-Versicherung spielt das Thema Mindestprofiltiefe ebenfalls eine wichtige Rolle. Geraten Sie mit abgefahrenen Autoreifen in einen Unfall, kann Ihnen unter Umständen eine grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden. Ist dies der Fall, so werden Sie von Ihrer Versicherung kein Geld erhalten und müssen den Schaden vollständig aus Ihrer eigenen Tasche bezahlen. Dies können Sie nur vermeiden, wenn ein unabhängiger Gutachter bezeugen kann, dass die abgefahrenen Reifen nicht für den Unfall verantwortlich oder förderlich waren. Selbst bei einer Vollkasko sieht das ganze Verfahren ähnlich aus. Sollten die Verantwortlichen Ihrer Versicherung der Meinung sein, dass die stark abgefahrenen Autoreifen die Ursache für den Unfall waren, bekommen Sie im schlimmsten Fall kein Geld. Aus versicherungstechnischen und anderen Gründen empfiehlt der ADAC einen frühzeitigen Austausch der Autoreifen.

Welche Empfehlungen gibt der ADAC für Sommer-, Ganzjahres- und Winterreifen?

Der ADAC rät allen Autofahrern zu einem frühzeitigen Wechsel der Autoreifen. Diese sollten auf keinen Fall bis zur gesetzlichen Mindestprofiltiefe abgefahren werden. Zwar gibt es für solche Reifen keine rechtlichen Konsequenzen, jedoch entstehen andere Probleme. Bereits ab einer Tiefe von 4 mm wird die Haftung von einem Autoreifen deutlich schlechter. Besonders starke Auswirkungen hat eine geringe Profiltiefe bei Breitreifen und bei Nässe. Autoreifen mit einer Profiltiefe von 4 mm oder weniger können den Wasserfilm auf der Straße nicht mehr verdrängen. Sie verlieren dadurch den wichtigen Kontakt zur Straße und das Fahrzeug lässt sich dadurch nicht mehr richtig lenken und bremsen.

Im Hinblick auf die empfohlene Reifenprofiltiefe gibt es bei Sommerreifen, Winterreifen und Ganzjahresreifen deutliche Unterschiede. Bei Sommerreifen empfiehlt der ADAC eine Profiltiefe von mindestens 2,5 mm. Handelt es sich stattdessen um Winterreifen, empfiehlt der ADAC mindestens eine Reifenprofiltiefe von 4 mm. Haben Ihre Winterreifen einen solchen Wert, müssen Sie sie nicht wegwerfen und können sie noch als Sommerreifen verwenden. Damit Sie Ihre Autoreifen so lange wie möglich nutzen können, sollten Sie die saisonalen Pneus entsprechend lagern. Schützen Sie Ihre Autoreifen vor Wärme, Sonneneinstrahlung und Feuchtigkeit. Bewahren Sie sie am besten in einem kühlen, dunklen und trockenen Raum auf. Dadurch verhindern Sie, dass Ihre Reifen schneller altern.

Verwenden Sie keine Sommer- und Winter-, sondern Ganzjahresreifen, empfiehlt der ADAC das Gleiche wie bei den handelsüblichen Winterreifen. Selbstverständlich können Sie Ganzjahresreifen mit einem Profil von weniger als 4 mm im Sommer weiter verwenden und das Profil bis zu den empfohlenen 2,5 mm abfahren. Zur Sicherheit sollten Sie Ihre Sommerreifen bereits ab einer Profiltiefe von 3 mm und Ihre Winterreifen ab einer Profiltiefe von 4 mm austauschen. Es gibt mehrere Gründe, weshalb Sie nicht erst warten sollten, bis die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe erreicht wurde, auf diese gehen wir im Folgenden ein.

Warum sollten Autoreifen frühzeitig gewechselt werden?

Im Hinblick auf die Sicherheit im Straßenverkehr ist die gesetzlich festgelegte Mindestprofiltiefe ein viel zu geringer Wert. Möchten Sie im Straßenverkehr kein Risiko eingehen, so sollten Sie die Profiltiefe Ihrer Reifen in regelmäßigen Abständen messen. Ist das Profil von Ihren Reifen geringer als die Empfehlungen des ADAC ist, sollten Sie Ihre Reifen so schnell wie möglich auswechseln. Zwar müssen Sie nicht mit einem Bußgeld oder Punkten rechnen, dafür gehen Sie im Straßenverkehr ein großes Risiko ein. Die Haftung der abgefahrenen Pneus ist deutlich schlechter und dadurch verlieren Sie um einiges leichter die Kontrolle über Ihr Fahrzeug. So richtig zum Tragen kommt eine geringe Reifenprofiltiefe bei Nässe oder bei Schnee. Solche Probleme erwarten Sie nicht nur bei abgefahrenen, sondern auch bei zu alten Autoreifen. Der ADAC rät jedem Autofahrer, auf keinen Fall zu alte Autoreifen zu kaufen. Älter als 3 Jahre sollten die Reifen nicht sein. Aufgrund der beständigen Weiterentwicklung der Autoreifen profitieren Sie bei 3 Jahre alten Pneus schon nicht mehr von den Entwicklungsvorteilen.

Die Reifen unterliegen einem Alterungsprozess

Unabhängig von der jeweiligen Profiltiefe der Reifen sollten Sie diese nie zu lange benutzen. Die Autoreifen nutzen sich nicht nur durch die gefahrenen Kilometer ab, sie unterliegen einem generellen Alterungsprozess. Mit der Zeit verändern sich die Komponenten und die Leistungsfähigkeit Ihrer Autoreifen verschlechtert sich. Deshalb empfehlen die meisten Hersteller den Autofahrern, dass sie ihre Reifen ab einem Alter von mindestens 5 Jahren in regelmäßigen Abständen kontrollieren. Einmal pro Jahr reicht eine Kontrolle aus.

Wissen Sie nicht mehr, wann Sie Ihre Autoreifen neu gekauft haben, können Sie das Alter der Reifen leicht herausfinden. Auf jedem Autoreifen befindet sich eine Nummer in Form von einem Code. Die DOT-Nummer wurde vom Hersteller in die Flanke des Reifens eingeprägt. Der Code besteht aus mehreren Buchstaben und Zahlen. Die letzten 4 Zahlen stehen für die Kalenderwoche und das Herstellungsjahr. Steht auf Ihren Reifen beispielsweise „1012“, wurden diese in der 10. Kalenderwoche im Jahr 2012 produziert.

Bereits ab einem Alter von 8 Jahren ist das Gummi der Autoreifen härter und wird spröde. Dadurch verschlechtert sich die Straßenhaftung deutlich. Erreichen Ihre Autoreifen das Höchstalter von 10 Jahren, sollten Sie die Reifen spätestens austauschen. Tun Sie dies nicht und fahren weiterhin mit alten Reifen, setzen Sie sich und andere Verkehrsteilnehmer einem hohen Risiko aus. Erwischt Sie die Polizei im Rahmen einer Kontrolle mit zu stark verschlissenen Reifen, müssen Sie mit Konsequenzen rechnen. Im Schadensfall wird keine Versicherung die Kosten übernehmen.

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