Reifenwechsel | Umfassende Anleitung zum Reifen wechseln

Ein Reifenwechsel steht für viele Autobesitzer jeweils zwei Mal pro Jahr an.

Dann heißt es wieder Sommerreifen runter und drauf mit den Winterreifen oder eben umgekehrt.

In dieser umfassenden Anleitung erklären wir wann genau Reifen zu wechseln sind, wie Sie den Reifenwechsel durchführen und beantworten häufige Fragen rund ums Thema.

An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass hier Radwechsel (Wikipedia) und Reifenwechsel äquivalent benutzt werden, auch wenn dies genau genommen zwei verschiedene Prozesse sind.

Reifenwechsel bezeichnet eigentlich das Aufziehen neuer Reifen (Gummi) auf eine Felge.

Umgangssprachlich wird es jedoch (fälschlicher Weise) auch für Radwechsel benutzt. Der Einfachheit halber machen wir das an dieser Stelle auch.

Hinweis: Sollten Sie Fragen haben oder Hilfe benötigen können Sie gerne mittels Kommentarfunktion mit uns in Kontakt treten.

Werkzeug zum Reifenwechsel

Werkzeug für den Reifenwechsel
Werkzeug für den Reifenwechsel – Bild: © Depositphotos.com/belchonock (Olga Yastremska)

Bevor wir zur Schritt-für-Schritt Anleitung kommen möchten wir zunächst auf das benötigte Werkzeug zum Wechseln von Reifen eingehen.

Wir haben alle Werkzeuge in zwei Listen aufgeteilt. Eine mit solchen die notwendig sind und die andere mit solchen die das Arbeiten erleichtern.

Achten Sie darauf, dass das Werkzeug in einem ordentlichem Zustand ist und vor allem der Wagenheber keine Defekte aufweist.

Folgende Werkzeuge sind definitiv notwendig:

  • Wagenheber zum Anheben des Fahrzeugs; Top Modelle in unserem Wagenheber Test.
  • Radkreuz / Radmutterschlüssel oder Schlagschrauber zum Lösen und Festziehen der Radmutter.
  • Drehmomentschlüssel zum Überprüfen und Festziehen der Schrauben mit einem vom Fahrzeug-Hersteller vorgegebenen Drehmoment in Nm.

Und folgende Teile sind optional, aber sehr hilfreich:

  • Unterstellböcke zum zusätzlichen Absichern des Fahrzeuges.
  • Lappen (trocken) zum Entfernen von Bremsstaub und anderem Schmutz.
  • Drahtbürste um Rost zu entfernen.
  • Kreife / Reifenstift / Ventilkappen mit Reifenmarkierung zum Markieren der Position des Reifens (bsp.: Vorne-Links).
  • Felgenbaum / Reifenregal oder andere Möglichkeit um Reifen einzulagern.
  • Gummimatte bzw. Wagenheber Gummiauflage zum Schutz vor Kratzern und Beulen.
  • Kompressor zum Aufpumpen der Reifen; alternativ zur Tankstelle fahren.

Sofern Sie nicht alle benötigten Werkzeuge besitzen, könne diese bei jedem Fachhändler gekauft oder bestellt werden. Achten Sie bitte beim Kauf darauf einzelne Werkzeuge und kein Set zu kaufen, denn solche Sets sind häufig von minderer Qualität.

Schritt für Schritt Anleitung

Für alle Hobby-Schrauber und handwerklich begabten haben wir im Folgenden alle wichtigen Schritte zum Wechseln von Reifen zusammengefasst.

Vorbereitung

Bevor es überhaupt mit dem Wechseln der Reifen losgehen kann, sollten einige Vorbereitungen erledigt werden.

  1. Fahren Sie das Fahrzeug auf eine ebene Fläche, ziehen Sie die Handbremse an und legen Sie einen Gang ein.
  2. Legen Sie das benötigte Werkzeug bereit, sodass es immer griffbereit ist, aber nicht im Weg liegt.
  3. Überprüfen Sie die neuen Reifen auf Beschädigungen, Profiltiefe und entfernen Sie Staub und Schmutz mit einem Lappen.
  4. Ziehen Sie, sofern vorhanden, die Radkappen von den montierten Rädern ab, sodass Sie an die Radschrauben gelangen.
  5. Überprüfen Sie wo der Wagenheber an Ihrem Fahrzeug angesetzt wird; Markierung am Unterboden oder Hinweis im Handbuch.

Wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, können Sie damit beginnen die Reifen zu wechseln.

Reifen wechseln

Kommen wir nun zur eigentlichen Reifenwechsel Anleitung in der Schritt-für-Schritt die alten Reifen gegen neue getauscht werden.

Hinweis: Folgende Anleitung ist nach bestem Wissen und Gewissen erstellt worden. Dennoch kann keine Garantie oder Haftung für eventuell auftretende Schäden übernommen werden!

Achten Sie bitte beim Arbeiten stets auf Ihre eigene Sicherheit! Legen Sie sich niemals unter ein Fahrzeug, das nur auf einem Wagenheber ruht und nicht durch Unterstellböcke zusätzliche abgesichert ist. Arbeiten Sie bitte ruhig und bedacht.

Wählen Sie zunächst ein Rad mit dem Sie beginnen wollen und arbeiten Sie dann die folgenden Punkte ab.

  1. Radmuttern lösen: Lösen Sie die Radmuttern mit einem Radkreuz oder Schlagschrauber; nicht aber mit einem Drehmomentschlüssel! Achten Sie darauf, das Sie die Schrauben nur lösen und nicht herausdrehen, weil sonst das Rad abfallen könnte.
  2. Fahrzeug mit Wagenheber anheben: Positionieren Sie den Wagenheber an der dafür vorgesehenen Stelle und heben Sie das Fahrzeug langsam an. Sobald das Rad leicht in der Luft schwebt können aufhören. Zur zusätzlichen Sicherheit können Sie noch einen Unterstellbock unter dem Fahrzeug platzieren.
  3. Radmuttern herausdrehen: Nachdem das Gewicht nun nicht mehr auf dem Rad, sondern auf dem Wagenheber ruht, können Sie die Radmuttern nun herausdrehen. Halten Sie das Rad dabei mit einer Hand fest, damit es beim Herausdrehen der letzten Schraube nicht zu Ihnen fällt.
  4. Reifen wechseln: Nehmen Sie das alten Rad ab und setzen dafür das neue Rad ein. Welcher Reifen wohin gehört und in welche Richtung erklären wir in den häufigen Fragen.
  5. Radmuttern eindrehen: Nehmen Sie nun die Radmuttern und drehen Sie diese in die passenden Bohrungen. Manchmal ist dies etwas schwierig; stecken Sie deswegen zuerst alle Schrauben über Kreuz in die Bohrungen und fixieren Sie diese mit ein paar Umdrehungen. Anschließend drehen Sie alle Schrauben mit der Hand fest.
  6. Fahrzeug ablassen: Lassen Sie nun den Wagenheber langsam herunter bis das Fahrzeug wieder auf allen vier Rädern steht. Anschließend holen Sie den Wagenheber unter dem Auto hervor.
  7. Radmuttern festziehen: Ziehen Sie nun alle Radmuttern über Kreuz mit einem Radkreuz, Schlagschrauber oder Drehmomentschlüssel fest.

Wiederholen Sie diese Prozedur bis alle Reifen gewechselt sind.

Aufräumen

Sobald alle alten Räder gegen neue getauscht sind, kann mit den abschließenden Arbeitsschritten und dem Aufräumen begonnen werden.

  1. Überprüfen Sie den Reifendruck mit einem entsprechendem Messgerät oder einem Kompressor. Falls der Druck zu niedrig ist, füllen Sie den Reifen mit Luft aus dem eigenen Kompressor oder dem einer Tankstelle.
  2. Untersuchen Sie die alten Reifen auf eventuelle Beschädigungen und prüfen Sie die Profiltiefe. Falls die Reifen abgefahren oder beschädigt sind, können Sie so jetzt schon neue Reifen kaufen und sind für den nächsten Reifenwechsel bestens vorbereitet.
  3. Notieren Sie die Position der einzelnen Reifen an Ihrem Auto. Dies geht am besten mit Kreide, einem Reifenmarkierstift oder speziellen Ventilkappen.
  4. Lagern Sie die Reifen bis zum nächsten Wechsel an einem trockenem und kühlen Platz ein. Idealer weise nutzen Sie dazu einen Felgenbaum, bei dem die Reifen platzsparend, aber frei hängend und ohne sich zu berühren gelagert werden.
  5. Reinigen Sie alle Werkzeuge und räumen Sie diese wieder an ihren angestammten Platz zurück.

Wir gratulieren zum erfolgreichem Reifenwechsel. Bitte denken Sie daran die Radmuttern nach 50 km noch einmal nachzuziehen. Falls Ihnen beim Fahren Geräusche auffallen oder das Fahrzeug eigenartig fährt, überprüfen Sie dies bitte umgehend oder suchen Sie eine Werkstatt auf.

Reifen vom Profi wechseln lassen

Reifen in der Werkstatt wechseln lassen
Reifen in der Werkstatt wechseln lassen

Falls Sie sich den Reifenwechsel nicht selbst zutrauen oder nicht über das entsprechende Werkzeug verfügen sollten, dann können Sie die Reifen auch in einer Werkstatt wechseln lassen.

Dabei müssen Sie nichts weitere beachten, sondern lediglich einen Termin vereinbaren und zu diesem dann Ihr Auto mit den Rädern in die Werkstatt bringen.

Trotzdem möchten wir noch ein paar Punkte bzgl. der damit verbundenen Kosten ansprechen.

Reifenwechsel Kosten und Preise in Werkstätten

Die Kosten für einen Reifenwechsel unterscheiden sich von Werkstatt zu Werkstatt.

Ein wichtiges Kriterium für den Preis ist, ob es sich um eine Vertrags-Werkstatt und oder eine freie Werkstatt handelt. Vertrags-Werkstätten sind in der Regel deutlich teurer.

Manche Werkstätten bieten den Service auch kostenlos an, sofern Sie neue Reifen bei ihnen kaufen.

Generell sollten Sie aber mit einem Preis von 20€ bis 50€ rechnen.

Reifen günstig wechseln lassen

Um bei den Kosten zu sparen und einen günstigen Reifenwechsel durchführen zu lassen, haben wir einige Tipps für Sie.

Wie bereits beschrieben bieten freie Werkstätten meist günstigere Preise an, als die teuren Vertragswerkstätten von namenhaften Automobilherstellern.

Sie können aber auch auf Sonderaktionen achten, die immer wieder in den entsprechenden Monaten angeboten werden. Häufig kann man hier ein paar Euro sparen oder erhält eine zusätzliche Dienstleistung.

Reifen beim Profi einlagern

Noch als zusätzlicher Tipp, wenn Sie zu Hause keinen Platz zum Einlagern der Reifen haben, können Sie diese auch in vielen Werkstätten oder Reifenhändlern für eine kleine Jahresgebühr einlagern lassen.

So sparen Sie sich auch bei jedem Reifenwechsel den Reifentransport zur bzw. von er Werkstatt nach Hause.

Häufige Fragen zum Reifenwechsel

Kommen wir nun abschließend zu den häufigsten Fragen, die uns rund um den Wechsel von Autoreifen gestellt werden.

Wie viel kostet ein Reifenwechsel?

Die Kosten, die beim Wechseln von Reifen fällig werden, hängen vor allem davon ab, ob Sie den Reifenwechsel selbst durchführen oder vom Profi durchführen lassen.

Sofern Sie alle Werkzeuge besitzen und sich die Arbeit zutrauen, kommen keinerlei Kosten auf Sie zu.

Wenn Sie erst alles Werkzeug kaufen müssen, belaufen sich die Gesamtkosten auf ca. 80€ bis 200€; je nachdem welchen Wagenheber und Werkzeuge Sie genau kaufen.

Die Kosten für einen Reifenwechsel beim Profi haben wir bereits oben etwas genauer beschrieben.

Wann Reifen wechseln?

Grundsätzlich schreibt der Gesetzgeber kein Datum vor, zu dem die Reifen von Sommer- auf Winterreifen oder andersrum gewechselt werden müssen!

Allerdings sollten die Reifen an die aktuellen und regionalen Gegebenheiten angepasst sein. In manchen Region reicht beispielsweise ein Allwetterreifen.

In der Straßenverkehrsordnung heißt es unter §2 Abs. 3a, dass ein Auto bei winterlichen Straßenverhältnissen, also Schnee, Eis, Schneematsch und Reifglätte, nur mit entsprechenden Winterreifen gefahren werden darf.

Winterreifen erkenn man dabei am M+S-Zeichen oder Alpine-Symbol (Schneeflocke).

Wir empfehlen die alte Merkregel von O bis O – von Oktober bis Ostern Winterreifen.

Die richtige Reifenprofiltiefe
Die richtige Reifenprofiltiefe – Bild: © Depositphotos.com/ginasanders (Erwin Wodicka)

Allerdings ist vom Gesetzgeber eine Mindest-Profiltiefe von 1,6 mm vorgeschrieben; spätestens dann muss ein Reifen gewechselt werden.

Wir empfehlen jedoch eine Profiltiefe von 3 mm bei Sommer- und Winterreifen nicht zu unterschreiten.

Nur so ist sichergestellt, dass das Auto im Sommer bei starkem Regen nicht aufschwimmt (Aquaplaning) und im Winter bei Eis und Schnee genügend Grip hat.

Auch wenn ein Reifen Beschädigungen aufweist, sollte dieser getauscht werden, um so Unfälle zu vermeiden.

Welcher Reifen gehört wohin?

Wohin ein Reifen bei der Montage gehört ist auch eine häufig gestellte Frage.

Sofern der Reifen über eine Laufrichtung verfügt (siehe nächste Frage), sollte diese eingehalten werden. Dadurch ergibt sich zumindest schon mal die Seite auf die der Reifen gehört.

Zudem sollten man darauf achten, dass die Reifen mit mehr Profil an der Vorderachse montiert werden. Der Grund dafür ist ein besseres Fahrverhalten bei Aquaplaning und beim Bremsen.

Welche Richtung?

Achten Sie beim Reifenwechsel darauf, dass bei manchen Reifen die Laufrichtung vorgegeben ist; vor allem Winterreifen und Reifen für hohe Geschwindigkeiten.

Der Grund dafür ist das spezielle Profil, welches für bessere Bodenhaftung sorgen soll. Die Laufrichtung ist durch einen Pfeil auf dem Gummi gekennzeichnet und sollte bei der Montage beachtet werden.

Zwar ist es möglich die Reifen auch entgegen der Laufrichtung zu nutzen, aber dann ist das Fahrverhalten meist schlechter.

Hinweis: Auch der TÜV und die Polizei können dies beanstanden; im schlimmsten Fall wird ein Bußgeld fällig.

Wann sollten alte Reifen gewechselt werden?

Reifen sollten spätestens bei einem Alter von 8 Jahren getauscht werden, auch wenn sie noch über mehr als 1,6 mm Profil verfügen.

Das Problem bei Gummi ist, dass es mit der Zeit hart und spröde wird und dann nicht mehr die ursprünglichen Eigenschaften besitzt, die für eine sichere Fahrt nötig sind.

Es ist also, als würde das Gummi altern und entsprechend unbrauchbar werden.

Wie viel Nm Drehmoment beim Reifenwechsel?

Mit wie viel Nm Drehmoment die Schrauben beim Reifenwechsel angezogen werde müssen kann nicht pauschal beantwortet werden, denn dies ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich.

Sie finden allerdings genau Angaben zum Drehmoment im jeweiligen Handbuch oder auf Anfrage beim beim Fahrzeug-Hersteller.

Reifenwechsel mit Reifendruck-Kontrollsystems (RDKS)

Moderne Autos werden zunehmend mit einem Reifendruck-Kontrollsystem ausgerüstet, das eine konstante Reifendruck-Messung auch während der Fahrt ermöglicht.

Diese Daten werden dem Fahrer direkt über den Bord-Computer angezeigt und beim Unterschreiten gewissen Sollwerte wird der Fahrer zudem darüber in Kenntnis gesetzt.

Ein Reifenwechsel ist bei verbautem RDKS kann nur mit entsprechender Ausrüstung vorgenommen werden, die in der Regel nur eine Werkstatt besitzt, denn die Rad befindlichen Sensoren müssen bei jedem Reifenwechsel kontrolliert und evtl. eingestellt werden.

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