Wagenheber ansetzen › bei jedem Modell etwas anders

Wagenheber ansetzen – so funktioniert es

Glücklich schätzt sich bei Reifenpannen, wer einen Wagenheber hat. Aber wie genau funktioniert so ein Gerät eigentlich? Und vor allem: Wo wird es angesetzt? Je nach Modell wirkt der Wagen nämlich an der Stelle, die logisch erscheinen würde, unter Umständen etwas instabil. Es gibt tatsächlich nicht den einen passenden Punkt, je nach Modell muss im Handbuch nachgesehen werden.

Gut vorbereitet ist halb gewonnen

Wagenheber ansetzen
Wagenheber ansetzen-Bild: © Depositphotos.com/svariophoto
(Davide Illini)
Wenn der Wagenheber zum Einsatz kommt, sollte der Wagen auf griffigem, trockenem und stabilem Untergrund stehen. Rasen ist genauso wenig geeignet wie Sand oder Split. Denn da würde der Wagenheber wegrutschen. Ist stabiler Untergrund gefunden, sollten vor dem Ansetzen des Wagenhebers, bei einem geplanten Reifenwechsel, auf jeden Fall schon die Radschrauben gelockert werde. Wird das erst in angehobenem Zustand getan, kann es zu Unfällen kommen. Und dabei können Wagenheber, Menschen oder Auto zu Schaden kommen. Der letzte Schritt der Vorbereitung ist der wichtigste: Handbuch suchen. Denn im Handbuch des Wagens steht, wo genau der Wagenheber angesetzt werden sollte. Wird dieser Punkt nicht gefunden, kann der Wagen beim Anheben im schlimmsten Fall beschädigt werden, der Wagenheber ebenfalls. Es gibt an einigen Autos eine Markierung für Wagenheber. Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Beim Golf 5 gibt es an dem Punkt, an dem man den Ansatzpunkt für den Wagenheber vermuten würde, eine kleine Markierung, die Wagenhebermarkierung besteht aus einem kaum sichtbaren Dreieck. Dort wird der Wagenheber aber nicht direkt angesetzt. Der Ansatzpunkt liegt weiter unter dem Fahrzeug, hinter dem Dreieck – oder auf Höhe des Dreieckes wenn man so will.

Im Einsatz

Soll der Wagenheber nach Klärung aller Formalitäten dann zum Einsatz kommen, muss die Handbremse angezogen werden. Der erste Gang sollte eingelegt sein, oder gegebenenfalls die Parkeinstellung. Dann wird der Wagenheber im Uhrzeigersinn so weit nach oben gekurbelt, dass er gerade noch eben unter das Auto passt. In diesem Zustand wird er an den gewünschten Ansatzpunkt transportiert. Jetzt kann der Wagen angehoben werden. Es reicht aus, dass Sie den Reifen gerade so frei „drehen“ können.

Aus Sicherheitsgründen ist es übrigens sinnvoll, jetzt Unterstellböcke unter das Fahrzeug zu packen. Sollte der Wagenheber aus irgendwelchen Gründen seinen Dienst versagen, halten die Unterstellböcke das Auto doch noch oben. Das verhindert Unfälle mit bisweilen recht schwerwiegenden Verletzungen. Denken Sie auch daran, die Unterstellböcke wieder zu entfernen, bevor Sie den Wagen herunterlassen.

Beim Herunterlassen sollten sie immer langsam und gleichmäßig vorgehen. Lassen Sie Ihren Wagen auf keinen Fall ruckartig herunter. Abhängig vom Modell Ihres Wagenhebers lassen Sie das Auto herab, indem Sie einfach den Wagenheber zurück kurbeln. Bei hydraulischen Modellen wird das Öldruckventil geöffnet.

Den kritischen Punkt finden

Den exakten Punkt für das Ansetzen des Wagenhebers findet man auch mit Handbuch nicht immer so leicht. Die Theorie ist eine feine Sache, aber nur durch Lesen wird der Punkt eben nicht plötzlich aufleuchten oder dergleichen. Es gilt also, auch unter dem Auto wirklich nachzusehen wo der Wagenheber angesetzt werden soll. Hilfreich sind bei einer solchen Aktion kleine Handspiegel, welche die Suche nach der Markierung unter dem Auto erleichtern.

Übrigens muss nicht nur der kritische Ansatzpunkt für den Wagenheber gefunden werden. Auch der Wagenheber ist bei einigen Modellen wirklich gut versteckt. Im Handbuch steht, wo sich der Wagenheber befindet und wie man ihn am besten erreicht.

Eines haben alle gemeinsam: seitlicher Rahmen

Der Punkt, an dem der Wagenheber angesetzt wird, ist bei jedem Modell beziehungsweise jeder Marke etwas anders gelagert. Aber bei allen Fahrzeugen befindet er sich am seitlichen Rahmen des Fahrzeugs. Und er ist immer unter dem Auto. Der Punkt ist grundsätzlich so gelagert, dass die äußeren Bauteile des Wagens nicht beschädigt werden. Er wird am stabilen Rahmen des Autos angesetzt. Wenn Sie sich also nicht sicher sind, ob Sie die Anweisung im Handbuch richtig verstanden haben, können Sie das als Hinweis verwenden: Die äußeren Bauteile des Wagens bestehen aus eher weichen, verformbaren Materialien. Hier würde der Wagenheber Schaden anrichten. Der korrekte Ansatzpunkt liegt grundsätzlich weiter unter dem Wagen. Und da das Auto vier Reife hat, die eventuell gewechselt werden müssen, gibt es auch insgesamt vier Ansatzpunkte für den Wagenheber. Abhängig davon, wo genau Sie am Auto arbeiten wollen, wählen Sie den Ansatzpunkt aus.

Unterschiedliche Modelle Wagenheber

Nicht alle Wagenheber funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Es gibt Modelle, die werden mit einer Kurbel nach oben bewegt und erfordern recht viel Kraft. Andere Wagenheber sind hydraulisch, sie heben den Wagen über Druck an. Und es gibt sogenannten Rangierwagenheber. Es ist wichtig, die Unterschiede zu kennen, denn Sie können den Wagenheber nur korrekt ansetzen und bedienen, wenn Sie das Modell kennen. Der Rangierwagenheber hat eine Besonderheit: Er zieht sich über Rollen selbst unter den Wagen.

Wenn Sie den Wagenheberansatzpunkt gefunden haben, sollten Sie den Wagenheber soweit öffnen, dass er gerade noch unter das Auto passt. Dann wird er erst unter den Wagen zum Ansatzpunkt gebracht. Wenn der Wagenheber jetzt weiter bewegt wird (kurbeln oder pumpen), dann hebt er im Normalfall den Wagen an. Der Rangierwagenheber zieht sich beim Anheben noch ein Stück unter das Auto – fährt also etwas nach vorne um den optimalen Stand zu gewährleisten. Am Hang, auf Geröll oder Kopfsteinpflaster würde das Gerät abrutschen und im schlimmsten Fall den Wagen beschädigen. Dies ist unabhängig vom verwendeten Wagenheber auch ein nicht empfehlenswerter Untergrund für einen Reifenwechsel. Sicherheit geht hier immer vor.

Tipp: Mit Gummiauflagen und Adaptern wird es einfacher

Die Ansatzpunkte für den Wagenheber unterscheiden sich teils erheblich. Damit der Wagenheber nicht abrutscht, bieten verschiedene Hersteller Gummiauflagen an, die erstens rutschfest sind und zweitens als Adapter dienen können. Sie passen im Idealfall genau zum Ansatzpunkt zum Wagen und zum Wagenheberteller. Das sind allerdings optionale Teile, die weder mit dem Wagen, noch mit dem Wagenheber mitgeliefert werden. Sie müssen selbst erworben werden. Bevor Sie so eine Gummiauflage kaufen, schauen Sie sich Ihren Wagenheber genau an und achten Sie darauf, welchen Wagen Sie fahren.

Nicht jeder Wagen wird mit Ersatzreifen und Wagenheber geliefert

Früher war es selbstverständlich, dass ein Auto bei Neukauf einen Ersatzreifen und einen Wagenheber mitbringt. Das ist heute nicht immer der Fall, denn Reifenpannen kommen statistisch gesehen eher selten vor (alle sieben Jahre etwa), und die meisten anderen Reparaturen sollen in der Regel die Fachwerkstätten ausführen. Daher verzichten einige Hersteller auf Ersatzreifen und Wagenheber und legen stattdessen ein sogenanntes Notfallset bei, das die Reparatur nur leicht beschädigter Reifen notdürftig erlaubt. Es gibt aber bei Neukauf trotzdem noch oft die Option, den Ersatzreifen und den Wagenheber (kostenpflichtig) als optionales Zubehör zu bekommen. Sie sollten beim Autokauf nicht davon ausgehen, dass diese Teile im Wagen grundsätzlich enthalten sind. Abgesehen davon sind die mitgelieferten Wagenheber wirklich nur für den Notfall zu gebrauchen und halten nur wenige Einsätze aus. Wer öfter selbst unter den Wagen schaut, selbst ein wenig schraubt und die Reifenwechsel daheim in der Garage vornimmt, sollte sich unbedingt selbst einen Wagenheber besorgen. Der hat dann auch hoffentlich die nötige Qualität, ein Autoleben lang treue Dienste zu leisten.

Gesetzlich vorgeschrieben ist das Mitführen eines Notrades und des entsprechenden Zubehörs (Schraubenschlüssel und Wagenheber) übrigens nicht. Das Reparaturkit ist ausreichend. Aber in der Praxis haben sich Reserverad und Wagenheber eben doch bewährt. Denken Sie daran, einige Tücher und Handschuhe in den Wagen zu legen. Denn bei einem Reifenwechsel fällt viel Dreck an. Warndreieck und Warnweste müssen Sie auf jeden Fall dabei haben und sollten diese bei einer Reifenpanne, zu Ihrer eigenen Sicherheit, auch unbedingt einsetzen.

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