Wie funktioniert ein Wagenheber?

Funktionsweise eines Wagenhebers erklärt

Eine Funktion haben alle Wagenheber: Sie sorgen dafür, dass ein Fahrzeug angehoben werden kann. Aufgrund der vielfältigen Bauweisen ergeben sich unterschiedliche Mechanismen. Es gibt Wagenheber die nur mit einem Gewinde auskommen. Andere werden mit Luft gefüllt, wie der Luftkissenwagenheber. Hydraulische Wagenheber benötigen Öl und unterliegen einem Wartungsintervall.

Wie funktioniert ein Wagenheber
Wie funktioniert ein Wagenheber – Bild: © Depositphotos.com/fobosvobos63.gmail.com
(Владимир Решетник)

Scherenwagenheber

Er gleicht einer Raute, deren seitliche Schenkel mittels einer Gewindestange bewegt werden. Die Gewindestange verläuft waagrecht zwischen den längeren Seiten. Auf einer Seite wurde eine Vorrichtung angebracht, an der eine Kurbel angebracht werden kann. Zur einfacheren Handhabung lässt sich die Kurbel nach dem Gebrauch wieder abnehmen, so dass der Scherenwagenheber platzsparend im Fahrzeug verstaut werden kann. Wird die Kurbel nun manuell betätigt, bewegen sich die Seitenteile nach oben. Die Gewindestange sorgt dafür, dass sich beide Schenkel gleichzeitig zusammenziehen. Auf diese Weise lässt sich das Fahrzeug einfach anheben. Sie müssen so lange manuell kurbeln, bis die gewünschte Höhe erreicht ist. Die optimale Höhe ist erreicht, wenn das zu wechselnde Rad in der Luft schwebt und problemlos abgenommen werden kann. Beim Aufziehen eines neuen Reifens muss beachtet werden, dass der Reifen mit Luft befüllt ist und eventuell mehr Spielraum benötigt. Wenn dies erforderlich sein sollte, lässt sich die Kurbel weiter betätigen, bis der Reifen aufgesetzt werden kann.

Ist der Reifen gewechselt oder die Reparatur ausgeführt lässt man das Fahrzeug mittels der Kurbel wieder ab. Hierfür betätigen Sie die diese in die entgegengesetzte Richtung, so dass sich die Seitenschenkel des Wagenhebers mithilfe der Gewindestange wieder senken.

Der Vorteil von einem Scherenwagenheber liegt darin, dass er keinem Wartungsintervall unterliegt und ohne Hydraulikflüssigkeit funktioniert. Außerdem sind sie sehr leicht und nehmen wenig Platz ein. Sie lassen sich optimal beim Boardwerkzeug oder mit dem Ersatzreifen aufbewahren. Nachteilig verhält es sich, dass das Kurbeln einige Zeit und auch Muskelkraft kostet.

Rangierwagenheber und Stockwagenheber

Ein Rangierwagenheber eignet sich aufgrund der Bauweise für den Einsatz in der Hobbywerkstatt oder Garage. Ein Stockwagenheber funktioniert ähnlich wie ein Rangierwagenheber, mit dem Unterschied, dass ein Stockwagenheber aufgrund des geringen Gewichts und der Größe optimal für unterwegs geeignet ist. Beide Modelle funktionieren hydraulisch.

Funktionsweise von hydraulischen Wagenhebern

Hydraulische Wagenheber lassen sich im weitesten Sinne mit einem Chefsessel vergleichen. Mittels Betätigung eines Hebels lässt sich der Sessel auf und absenken. Im Inneren des Zylinders unter der Sitzfläche befinden sich ein Kolben sowie Flüssigkeit. Meist handelt es sich aufgrund der positiven Eigenschaften um ein spezielles Öl. Der hydraulische Wagenheber verfügt über einen ähnlichen Aufbau. Damit ein Fahrzeug angehoben werden kann, wird die Flüssigkeit komprimiert, so dass der Kolben angehoben wird. Dies geschieht mittels einer Pumpbewegung. Je mehr gepumpt wird umso weiter bewegt sich der Wagenheber nach oben. Einfacher gesagt handelt es sich um eine Druckübertragung, die dafür sorgt, dass das Fahrzeug aufgebockt werden kann. Im Gegensatz zu einem Scherenwagenheber benötigen Sie beim Pumpen von hydraulischen Wagenhebern weniger Muskelkraft sowie weniger Zeit.

Der Vorteil bei hydraulischen Wagenhebern liegt folglich in der einfacheren Handhabung. Außerdem gibt es diese Modelle in diversen Ausführungen. Sie sind als Rangierwagenheber sowie als Stockwagenheber erhältlich. Die Stemmhöhe sowie die maximale Hubhöhe unterscheiden sich je nach Hersteller und Modell. Somit lässt sich für alle Fahrzeuge ein passendes Modell finden. Stockwagenheber eigenen sich ideal aufgrund der höheren Traglast für SUVs oder Transporter.

Eine weitere Variante von hydraulischen Wagenhebern zeigt sich mit einer elektrischen Pumpe. Bei einem solchen Modell sorgt eine elektrische Pumpe dafür, dass das hydraulische System, angetrieben und das Fahrzeug aufgebockt wird. Der Vorgang erfolgt elektrisch, so dass kein Muskelkrafteinsatz mehr nötig ist. Solche Wagenheber werden aufgrund der hohen Anschaffungskosten häufig nur in professionellen Werkstätten verwendet. Es gibt hydraulische Wagenheber, die in der Lage sind bis zu 50 Tonnen zu heben.

Ein Rangierwagenheber lässt sich nicht auf allen Untergründen einsetzen. Auf Schotter- oder unbefestigten Wegen ist es unmöglich, den Rangierwagenheber zu verwenden. Für einen sicheren und optimalen Umgang mit einem Rangierwagenheber ist Beton, eine asphaltierte Straße oder ein anderer befestigter Untergrund nötig.

Luftkissenwagenheber

Der Luftkissenwagenheber ist eine außergewöhnliche Möglichkeit ein Fahrzeug anzuheben. Er birg Vor- sowie Nachteile. Aufgrund seiner Konstruktion, kann er bei allen, auch tiefergelegten Fahrzeugen eingesetzt werden. Das außergewöhnliche bei diesem Modell ist, dass die Abgase eines Fahrzeugs verwendet werden um das Kissen mit Luft bzw. Abgasen zu befüllen. Ein einfacher Sack, der aus reißfestem Kunststoff besteht, wird zu einem Instrument, das in der Lage ist, ein Fahrzeug mit einem Gewicht bis zu 3 Tonnen anzuheben.

Um das Kissen mit Luft zu befüllen ist ein Schlauch angebracht, der am Auspuff befestigt wird. Durch die Abgase die bei laufendem Motor in das Kissen befördert werden, füllt sich das Kissen. Ein Kurbeln oder Pumpen ist bei einem Luftkissenwagenheber unnötig. Alles funktioniert vollautomatisch und unkompliziert. Aufgrund der Größe des Kissens ist es ebenfalls einfach, jenes unter dem Fahrzeug zu platzieren. Selbst auf unbefestigten Wegen kann ein Luftkissenwagenheber zum Einsatz kommen. Bei Schlamm, Eis, Schnee, auf Wiesen- oder Feldwege oder Sand ist der Einsatz eines Luftkissenwagenhebers ebenfalls zu empfehlen.

Allerdings müssen bei der Verwendung eines Luftkissenwagenhebers einige Sicherheitshinweise beachtet werden. Spitze Gegenstände oder kleine Steinchen könnten das Material beschädigen und den Wagenheber unbrauchbar machen. Zudem kann es vorkommen, dass sich bei unzureichender Befestigung der Schlauch vom Auspuff löst und Abgase austreten. Dies hätte zur Folge, dass sich das Fahrzeug senkt. Durch das Luftkissen ist das Fahrzeug nicht statisch einwandfrei befestigt, so dass eine zusätzliche Sicherung erfolgen muss. Durch Keile, Holzklötze oder größere Steine, die unter die Reifen gelegt werden, verhindert man, dass das Fahrzeug ungewollt wegrollt. Die Hindernisse sollten sowohl vor als auch hinter den Reifen gelegt werden.

Problematiken eines Luftkissenwagenhebers

Verfügt das Fahrzeug über einen Doppelauspuff kommt es zu Schwierigkeiten beim Aufpumpen des Kissens. Aufgrund der weiteren Öffnung im Auspuff kann kein optimaler Druck aufgebaut werden. Abhilfe wird durch das Verschließen der zweiten Öffnung geschaffen, was jedoch nicht ganz einfach sein könnte. Weiterhin passt der Schlauch eventuell nicht auf alle Auspuffrohre. Dies kommt vorwiegend bei getunten Fahrzeugen vor, die mit einem Sportauspuff oder anderen Endrohren ausgestattet wurden. Je nach Hersteller und Modell gibt es möglicherweise Adapter, die den Anschluss ermöglichen. Achten Sie daher beim Kauf eines Luftkissenwagenhebers unbedingt auf die Passform oder eventuell mitgelieferten Adapter.

Wie kann das Fahrzeug mit dem Wagenheber aufgebockt werden?

Verwenden Sie ein Luftkissen, ist das Aufbocken relativ einfach. In der Regel legen Sie das Kissen in die Nähe des zu wechselnden Rades oder an der Stelle, wo das Auto angehoben werden soll. Achten Sie hierbei auf die Angaben des Fahrzeugherstellers im Handbuch, wo der Wagenheber angesetzt werden kann. Überzeugen Sie sich davon, dass das Kissen unter tragenden Rahmenteilen aufgepumpt wird und keine anderen Fahrzeugteile wie etwa der Auspuff beschädigt werden können. Mit dem Anschluss an das Endstück des Auspuffs lässt sich nun das Kissen mit Abgasen befüllen und hebt das Fahrzeug an. Ist die gewünschte Höhe erreicht, kann das Rad oder die Reparatur durchgeführt werden.

Scheren oder Hydraulikwagenheber richtig ansetzen

Das Ansetzen des Wagenhebers am Fahrzeug ist ein wesentlicher Schritt, für einen sicheren Aufbockvorgang. Außerdem lassen sich dadurch Beschädigungen durch Anwendungsfehler vermeiden. Beachten Sie stets die Sicherheitshinweise, die der Fahrzeughersteller im Handbuch Ihres Autos hinterlassen hat. Dort finden Sie exakten Punkte, wo Sie einen Wagenheber ohne Risiken ansetzen können. Ist die Bedienungsanleitung verloren gegangen, lässt sich trotzdem ein Wagenheber sicher an der richtigen Stelle ansetzen. Eine passende Stelle findet sich immer am Rahmen. Dieser ist stabil und in der Lage die Last beim Aufbocken auszuhalten. Bei einigen Fahrzeugen befindet sich außerdem eine Kennzeichnung, wo ein Wagenheber angesetzt werden kann. Dazu ist es allerdings erforderlich, unter das Fahrzeug zu schauen. Ein Spiegel kann bei einem niedrigen Fahrzeug helfen diese Kennzeichnung zu finden.

Einige Hersteller statten das Fahrzeug auch bei der Auslieferung mit einem Wagenheber aus. Oft kommt es hierbei vor, dass Wagenheber und Fahrzeug nach dem Schlüssel/Schloss Prinzip arbeiten. Das bedeutet, Sie finden unter dem Fahrzeug einen Bereich, der optimal mit der Tellerauflage des Wagenhebers zusammen passt.

Tipp: Stempel- oder auch Stockwagenheber genannt, verfügen über einen kleinen Teller, der mittels eines Holzstücks erweitert werden kann.

Bevor das Fahrzeug aufgebockt werden kann, legen Sie den ersten Gang ein oder stellen bei einem Automatikgetriebe auf P um, ziehen die Handbremse an überprüfen, ob das Fahrzeug auf einem ebenen Untergrund steht. Beim Reifenwechsel ist es ratsam die Muttern vor dem Aufbocken zu etwas zu lockern. Ist dieser Vorgang erledigt, kann das Fahrzeug mithilfe des jeweiligen Wagenhebers aufgebockt werden.

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